1. Prozess-Audit vor der Automatisierung
Bevor ein einziges Ticket automatisiert wird, muss der aktuelle Prozess dokumentiert sein. In einem Fintech mit 80 Mitarbeitern und 500 Tickets/Monat sieht das so aus: 40 % der Tickets sind Zahlungsfragen, 25 % Kontozugriffe, 20 % technische Störungen, 15 % Sonstiges. Die Durchlaufzeit liegt bei 45 Minuten, die Fehlerquote bei 12 %. Diese Zahlen sind die Baseline. Ohne sie ist jeder Erfolg unbelegbar. Der Prozess-Audit dauert 2 Tage und wird von Forfis gemeinsam mit dem Support-Team durchgeführt. Die Routing-Regeln werden schriftlich festgelegt: Welche Kategorie hat welche Dringlichkeit? Welche Tickets gehen an welchen Agenten? Diese Regeln sind die Grundlage für die LLM-Prompt-Engineerung.
2. n8n als Orchestrierungsschicht
n8n ist die Orchestrierungsschicht, die Zendesk/Intercom, das CRM und die LLM-API verbindet. Die Architektur sieht so aus: Ein Webhook in n8n empfängt das neue Ticket. n8n ruft die LLM-API auf (OpenAI GPT-4o oder ein Open-Weight-Modell auf eigener Hardware). Das Ergebnis (Kategorie, Dringlichkeit, Vorschlag) wird zurück in n8n geschrieben. n8n aktualisiert das Ticket in Zendesk/Intercom und routet es an den richtigen Agenten. Für ISO 27001 ist entscheidend: Die API-Keys liegen in einem Secrets-Manager, der Datenfluss ist dokumentiert, und die LLM-API wird nur mit maskierten Daten aufgerufen. n8n selbst läuft in einem deutschen Rechenzentrum.
3. LLM-Prompt-Engineerung für Fintech-Tickets
Die LLM-Prompt-Engineerung ist der Kern der Triage. Der Prompt muss die Routing-Regeln aus dem Prozess-Audit enthalten. Beispiel: „Klassifiziere dieses Ticket in eine der folgenden Kategorien: Zahlung, Konto, Technik, Sonstiges. Gib die Dringlichkeit (niedrig, mittel, hoch) an. Wenn das Ticket eine finanzielle Auswirkung hat, setze die Dringlichkeit auf hoch und markiere es für menschliche Freigabe.“ Der Prompt wird mit 50 historischen Tickets getestet. Die Genauigkeit muss über 95 % liegen, bevor der Sprint in die nächste Phase geht. Bei Fintech-Tickets ist die Dringlichkeits-Erkennung besonders wichtig: Ein Ticket mit „Zahlung nicht angekommen“ muss sofort an einen Agenten mit erhöhter Priorität gehen, nicht in die Warteschlange.
4. Human-in-the-Loop-Schleife für sensible Tickets
Die Human-in-the-Loop-Schleife ist nicht optional, sondern Pflicht. Bei Tickets mit finanzieller Auswirkung (Zahlungsfragen, Kontozugriffe) wird das Ticket automatisch an einen menschlichen Agenten geroutet. Die KI liefert nur eine Vorschlag-Notiz: „Kategorie: Zahlung, Dringlichkeit: hoch, Vorschlag: Kundenkonto prüfen, Transaktions-ID XYZ.“ Der Agent bestätigt oder korrigiert. Diese Schleife ist für ISO 27001 (Risikomanagement) und für die Akzeptanz im Fintech-Umfeld entscheidend. Ohne menschliche Freigabe bei sensiblen Tickets ist das System nicht compliant. Die Schleife wird in n8n als separater Workflow implementiert und mit einem Zeitstempel dokumentiert.
5. Baseline-Messung und Erfolgskontrolle
Die Baseline-Messung ist Teil des Sprints. Vor dem Go-Live werden die Durchlaufzeit und die Fehlerquote über 14 Tage gemessen. Nach dem Go-Live wird dieselbe Metrik über 14 Tage gemessen. Typische Ergebnisse: Durchlaufzeit sinkt von 45 auf 12 Minuten, Fehlerquote bei der Kategorisierung liegt unter 3 %. Diese Zahlen werden im Abschlussbericht dokumentiert und sind Teil der ISO 27001-Prüfung. Die Messung erfolgt über die Zendesk/Intercom-API: Zeitstempel des Ticket-Eingangs, Zeitstempel der Erstantwort, Kategorie-Feld. Die Daten werden in einem Dashboard (z. B. Grafana) visualisiert und sind für das Support-Team und die Compliance-Abteilung einsehbar.
6. Stolperfallen und wie man sie vermeidet
Die häufigsten Stolperfallen: Unklare Routing-Regeln, fehlende API-Zugänge, keine Baseline, zu viele Kategorien, keine Human-in-the-Loop-Schleife. Die Lösung: Die Routing-Regeln werden schriftlich festgelegt und vom Support-Team bestätigt. Die API-Zugänge werden vor dem Sprint geprüft. Die Baseline wird in Woche 1 gemessen. Die Kategorien werden auf 8-10 begrenzt. Die Human-in-the-Loop-Schleife wird in n8n als separater Workflow implementiert. Diese fünf Punkte sind die Voraussetzung für einen erfolgreichen Sprint. Wenn einer davon fehlt, verzögert sich der Sprint oder das Ergebnis ist nicht messbar.